DFB-Nachwuchskonzept

 

DFB-Nachwuchskonzept

Talentzentren

Das flächendeckende System von Talentzentren der Lizenzvereine und den Stützpunkten des DFB-Talentförderprogramms stellt sicher, dass jedes leistungswillige Talent in Deutschland auch tatsächlich erfasst und je nach aktuellem Können optimal gefördert wird.

Das Talentförderprogramm des DFB optimiert bestehende Strukturen!


 


 

 

In den Leistungszentren der Lizenzvereine spielen häufig die talentiertesten Spieler aus den umliegenden Vereinen. Sie werden an den Lizenzverein gebunden und dort intensiv gefördert. Es gibt jedoch viele Regionen in Deutschland ohne Anbindung an den Lizenzfußball. Häufig handelt es sich dabei um strukturschwache Regionen, in denen die Möglichkeiten der Nachwuchsförderung bescheiden sind. Aber auch dort gibt es talentierte Spieler, die aufgrund ihrer Veranlagung ebenfalls eine intensive Förderung verdient haben!

Und ein weiterer Aspekt ist wichtig: Im komplexen Sportspiel Fußball ist die Prognose äußerst schwierig, ob ein junger Spieler in ferner Zukunft zu einem Fußballer der Extraklasse heranreifen wird. Beste fußballerische Anlagen als D- oder C-Junior sind zwar eine unerlässliche Basis, bedeuten aber noch lange nicht, ob dieser junge Spieler später auch tatsächlich im Spitzenfußball landen wird. Zu unterschiedlich sind die Entwicklungsverläufe - viele im Kindesalter noch überragende Talente stagnieren später trotz besten Trainings, andere zunächst unauffälligere Typen rücken nach späten Leistungssprüngen ins Rampenlicht.

Ein Beleg hierfür: In den neunziger Jahren zählte nur etwa die Hälfte der debütierenden Nationalspieler schon im Alter von 15 oder 16 Jahren zur nationalen Spitze. Die andere Hälfte an Spielern gehörte zwar zu den regionalen Spitzentalenten, entwickelte sich aber erst später zu Top-Spielern.

Die Konsequenz: Der deutsche Fußball darf sich nicht zu früh ausschließlich auf einen kleinen Kreis an Top-Talenten konzentrieren und damit ein Großteil seiner Talente von vornherein unberücksichtigt lassen! Statt dessen muss es das Ziel sein, möglichst viele talentierten und leistungswilligen jungen Spieler in Deutschland zu erfassen und zu fördern. Nur so können wir relativ sicher sein, dass sich am Ende die wirklich besten aller Talente im Spitzenfußball und in unserer Nationalmannschaft wiederfinden.

Bisher jedoch sind bundesweit die Sichtungs- und Förderstrukturen noch zu verschieden, um dieses Ziel realisieren zu können. Genau an diesem Punkt setzt das DFB-Talentförderprogramm an.


 Das Projekt im Überblick

 


 


 

 

Mit dem Talentförderprogramm setzt der DFB in Zusammenarbeit mit den Landesverbänden ein Nachwuchskonzept in einer Dimension um, an die weltweit kein anderer Verband heranreicht. Die Zahlen sprechen für sich. Etwa 16.000 Jugendliche im Alter von elf bis siebzehn Jahren werden gefördert. Rund 1.200 Honorartrainer fordern die Jungen und Mädchen in 390 Stützpunkten, die flächendeckend in ganz Deutschland verteilt sind.

Jeder leistungswillige und talentierte Spieler kann damit erstmals sicher sein, auf der Basis eines qualifizierten Trainings individuell voranzukommen! Dabei ist es egal, in welcher Region Deutschlands er spielt. Dass bei diesen Ausmaßen alles reibungslos abläuft, dafür garantieren 29 hauptamtliche Koordinatoren. Rekordverdächtig auch die Ausgaben: Rund 10 Millionen Euro jährlich lässt sich der DFB das Projekt kosten.

Auf die enorme Zahl von 390 Stützpunkten kommt man, weil eine ausreichende Flächendeckung erreicht werden soll. Bei bundesweit fast 26.000 Vereinen entspricht das durchschnittlich 70 Vereinen pro Stützpunkt. Damit ist ein engmaschiges Netz geknüpft, das eine kompakte Sichtung ermöglicht. Um auch ein effektives Training sicherzustellen, sollen an jedem Stützpunkt in 2 Gruppen nicht mehr als jeweils 20 Spieler trainiert werden.

In der einen die Kicker der Altersgruppe U12 und U13, in der anderen die der U14 und U15. In dieser ersten Gruppe liegt auch die Besonderheit des gesamten Projekts. Eine derart umfangreiche und intensive Sichtung des D-Junioren-Jahrgangs gab es bisher noch nicht. Die angeblich 3 bis 5 Prozent Hochbegabten in jedem Jahrgang werden durch das DFB-Talentförderprogramm erfasst. Allerdings soll für sie wie für alle anderen Spieler, die zum Stützpunkttraining eingeladen werden, keine andere Förderung wegbrechen. Die zusätzlichen Angebote für die Landesauswahlmannschaften und das Vereinstraining laufen weiter wie immer. Das Fördertraining ist eine zusätzliche Einheit und findet wöchentlich statt. Die Grundstruktur des DFB-Talentförderprogramms ist einfach, aber gerade deshalb praktikabel, überschaubar und effizient!


Die Ziele und Vorteile des DFB-Talentförderprogramms

Egal, wo ein Kind in Deutschland Fußball spielt, ob im Süden oder Norden, ob in der Großstadt oder im Dorf, ob im Regionalliga-Klub oder im Kreisliga-Verein, es muss die gleiche Chance besitzen, von den Trainern des Talentförderprogramms gesichtet zu werden. Und das nicht nur einmal, sondern regelmäßig. Wird der Junge oder das Mädchen einmal für talentiert befunden, soll es auch dauerhaft und konstant ausgebildet werden. Von Fachkräften, die mindestens die C-Lizenz besitzen. Nach einer einheitlichen Methodik. Und nach individuellen Bedürfnissen. Schließlich ist das Fördertraining eine Ergänzung zum Vereinstraining und dient vor allem der Taktik- und Technikschulung. Im Endeffekt soll für das Talent ein häufigeres und qualifizierteres Training angeboten werden.

Das DFB-Talentförderprogramm spricht gerade im D-Junioren-Bereich eine große Gruppe junger Vereinsspieler an. Das Ziel, dabei zu sein, wird für die Kinder somit greifbar, erreichbar. Daraus können Nachwuchskicker Motivation ziehen. Aber nicht nur die Begeisterung wächst, auch die Talentsichtung der Landesverbände wird weiter optimiert. Schließlich halten jetzt noch mehr Fachleute die Augen auf. Sportlich wird sich das Niveau der Spieler durch das qualifizierte Zusatztraining ebenfalls verbessern.


 


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Qualität und Quantität des Trainings aller ambitionierten Talente werden somit gerade zu Beginn der Karriere durch diese Förderung in den DFB-Stützpunkten verbessert. Damit aber nicht genug. Die besten Nachwuchsspieler kommen wie bisher in den zusätzlichen Genuss der Förderung durch die Verbände und die Junioren-Nationalmannschaften. Nur dieses Teamwork aller, die einen jungen Spieler begleiten, garantiert, dass jedes einzelne Talent sein fußballerisches Potential optimal ausschöpfen kann.

Das Ziel der neuen Struktur ist es letztlich, eine ausreichende Zahl an Spitzenspielern auszubilden. Gerade der höherklassige Amateurfußball wird von diesen enormen Anstrengungen profitieren, denn er kann ebenfalls auf einen Kreis an spielstarken Fußballern zurückgreifen.

Leistungszentren der Lizenzvereine

Seit der Sasion 2001/2002 ist die Einrichtung eines Leistungszentrums für jeden Lizenzverein - egal ob Bundesligist oder Zweitbundesligist - Pflicht. Ziel ist es, die Qualität der Juniorenausbildung an dieser zentralen Stelle der Talentförderung zu optimieren.

Hier hat der DFB, abgestimmt auf die Spielklassenzugehörigkeit, Anforderungsprofile erstellt, die die Klubs verpflichten, sich auf dem Sektor Nachwuchsförderung intensiver zu betätigen. Das umfasst die Bereitstellung geeigneter Sportanlagen, die Anstellung hauptamtlicher Fußball-Lehrer sowie die Auflage, Schulkooperationen aufzubauen, um zusätzliche Trainingseinheiten am Vormittag sicherzustellen.

Ziel der Nachwuchsarbeit in Lizenzvereinen ist es, einzelne Spieler auf die hohen Anforderungen im Profibereich vorzubereiten. Ein maßgebliches Kriterium für die Effektivität eines Leistungszentrums ist daher der Einsatz dort ausgebildeter Nachwuchsspieler in Lizenzligen - weniger das Erringen von Meisterschaften im Juniorenbereich.

Um zu verhindern, dass in den großen Vereinen viele Talente keine angemessene Spielpraxis erhalten, ist die Zahl der Nachwuchsakteure, die ein Lizenzverein an sich binden darf, begrenzt.

Das soll sicherstellen, dass wirklich nur die momentanen Top-Spieler zu den Spitzenvereinen gehen und die anderen Spielpraxis in ambitionierten Amateurvereinen sammeln, um dann später den Sprung in den Spitzenbereich schaffen zu können.